Den Glauben an eine Spielzeit ohne Abstiegskampf hat man bei Fußball-Bundesligist Hansa Rostock offenbar längst aufgegeben. Auch in diesem Jahr wird an der Ostsee in erster Linie nur der Klassenerhalt als Saisonziel ausgegeben. Trainer Armin Veh hat aus den verpassten Ansprüchen der Vergangenheit seine Schlüsse gezogen und verspricht deshalb im Gegensatz zum Vorjahr weder Kombinations- noch Offensivfußball. Der 42 Jahre alte Fußballlehrer, der oftmals als Grantler daherkommt, hat den harten Wind der Bundesliga im letzten Jahr kräftig zu spüren bekommen.
Nach furiosem Start mit Spaßfußball und Sprung auf Platz zwei der Liga folgte der jähe Absturz in die Abstiegszone und der fortwährende Kellerkampf. Überschwängliche Prognosen zur neuen Saison sind dem ehemaligen Profi nicht zu entlocken, der Klassenerhalt ist das vorrangige Ziel: "Was wir bieten, ist die Bundesliga als solche. Und das schon im neunten Jahr in Serie. Was wollen die Leute mehr? Die Gegner heißen Bayern München und Borussia Dortmund. Da kann man es mit dem Offensivfußball nicht übertreiben.“
Max soll Sturmproblem lösen
Dabei scheint die "Abteilung Attacke" bei Hansa aber endlich an nötiger Klasse gewonnen zu haben. Martin Max heißt der Mann, auf dem die meisten Hoffnungen ruhen. Zweimal war der Neuzugang von 1860 München Torschützenkönig der Liga (2000 und 2002). Jetzt soll er die zuletzt unterbeschäftigten Abwehrspieler der Hansa-Gegner zu Akkord-Arbeitern machen. Zwar gehört Max schon zur alten Garde der Liga, doch das hat Hansa vor einem Transfer nicht abgeschreckt. "Es gibt Spieler in seinem Alter, die sind fertig. Er ist topfit und passt auch als Typ in diese Mannschaft", stellt Veh klar.
"Ich weiß, was man von mir erwartet", sagt der mittlerweile 34-jährige Max. Doch alleine wird Max das Sturmproblem der Hanseaten kaum lösen können. Um noch variabler zu werden, griff Rostock sogar noch einmal in die Vereinskasse. 280.000 Euro investierte der Club entgegen seiner Ankündigung, nur ablösefreie Spieler zu verpflichten, in Gernot Plassnegger von Waldhof Mannheim. Der Österreicher kann Flanken schlagen, außerdem soll er Torgefahr ausstrahlen. Er bietet sich damit als Alternative zum Schweden Rade Prica an, der in seiner Debütsaison in Rostock nur siebenmal ins Schwarze traf.
Veh unter Druck
Auch der namibische Nationalspieler Razundara Tjikuzu von Werder Bremen kostet Geld. Wie viel, hängt von der Anzahl seiner Einsätze ab. Er soll für offensive Akzente auf der rechten Seite der Vierer-Abwehrkette sorgen. Das gleiche gilt auf der linken Seite für Gabriel Melkam, der vom Zweitligisten Karlsruher SC gekommen ist. Um die Stürmer mit mehr Bällen zu füttern, ist zudem der Däne Thomas Schultz von Farum BK verpflichtet worden, der die linke Außenbahn vor Melkam besetzen soll. "Es muss in dieser Saison einfach mehr über die Außen kommen", fordert Trainer Veh. Forderungen stellt auch Rostocks Aufsichtsratchef Horst Klinkmann. Und zwar an Vehs Adresse. "Ich will nicht von Abstiegskampf reden. Ich rede von gutem Fußball. Der Trainer ist jetzt gefordert", sagte Klinkmann.
Das klingt nach erhöhtem Druck für den 42-Jährigen. Im Vorjahr stand er nie zur Diskussion. Aber noch eine Saison mit derart vielen schwachen Auftritten seiner Mannschaft, die zwar hin und wieder auch gewonnen wurden, will sich der Aufsichtsrat wohl nicht gefallen lassen. Auf Dauer ist die Tatsache, dass Hansa nunmehr seit neun Jahren in Serie in der Bundesliga spielt, eben nicht genug. Eine Tatsache, die bei Klubchef Manfred Wimmer auf Unverständnis stößt. Schließlich habe man in Rostock mit wenig Mitteln die höchste Spielklasse dauerhaft etabliert, das Stadion erstligatauglich saniert und als einziger Club aus den neuen Bundesländern die ostdeutsche Fahne hochgehalten.
Wer kam, wer ging
Zugänge:Martin Max (1860 München, ablösefrei), Gabriel Melkam (Karlsruher SC, ablösefrei), Gernot Plassnegger (Waldhof Mannheim, 280.000 Euro an VfL Wolfsburg), Thomas Schultz (Farum BK, ablösefrei), Razundara Tjikuzu (Werder Bremen, Ablöse abhängig von der Anzahl der Einsätze).
Abgänge: Dietmar Hirsch (MSV Duisburg, ablösefrei), Andreas Jakobsson (Bröndby IF, ablösefrei), Timo Lange (eigene Amateure), Marcel Schied (VfL Osnabrück, ausgeliehen), Peter Wibran (Östers IF Växjö, ablösefrei), Bachirou Salou (unbekannt).
Saisonetat: 24,5 Millionen Euro
Hauptsponsor: Vita Cola
Saison-Platzierung 2002/2003: 13. Platz
Quelle: NDR