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Mittwoch, 13.04.2011
Kolumne

Jetzt mit Meisterstern

Gut, Hansa-Fan zu sein

Mit Meisterstern über‘m Emblem holte der FC Hansa Rostock auf dem Weg Richtung 2. Bundesliga drei Siege in der englischen Woche. Foto: Olaf Peters

Mit Meisterstern über‘m Emblem holte der FC Hansa Rostock auf dem Weg Richtung 2. Bundesliga drei Siege in der englischen Woche. Foto: Olaf Peters

„Fuck, die Meistersterntrikots sind schon ausverkauft. Haben in einer Woche über 1.500 Stück verkauft“, simste mir Fan-Kumpel Maik letzte Woche. Ja, unserem geliebten FC HANSA geht es im Moment richtig gut: Mit Meisterstern über‘m Emblem und drei Siegen aus der englischen Woche, mit „Meck-Pomm Rapper“ Materia, der uns bei der Echo-Verleihung zum „deutschen Meister mit zehn Punkten Vorsprung“ macht und realen Rechen-Szenarien darüber, ab welchem Spieltag denn nun der sofortige Wiederaufstieg gefeiert werden kann. Auch um die (erste) Mannschaft herum, scheint momentan alles richtig gut zu sein: Volles Ostseestadion und 20 Jahre Meisterschaft, ein geiles Fan-Radio und grandiose Choreos, unsere Jugendmannschaft die noch Pokalsieger werden kann und ein neues (Vereins-)Selbstverständnis das endlich wegkommt von diesem Ostdeutschland-Großmacht-Denken. All das meine ich ehrlich und schreibe es ohne Ironie. Es tut mir wieder gut, HANSA-Fan zu sein (nach vielen Monaten mit Frust und Trauer).

Also alles im grünen Bereich an der Küste, so dass man einen Blick auf Rest-Fußball-Deutschland und die Welt werfen kann. Über das „junge-Trainer-haben-mit-junger-Mannschaft-Erfolg“-Phänomen muss man, glaube ich, nichts mehr sagen (wobei 96-Trainer Hecking auch keine 23 mehr ist). Was Klopp&Co&Vollmann schaffen ist, den Spielern klar zu machen, dass sie eine Mannschaft sind und als solche spielen müssen. Ich weiß, dass klingt abgedroschen, aber bei ganz vielen Mannschaften ist ja gerade das nicht der Fall. Für Negativschlagzeilen in eigener Sache sorgen gerade andere Vereine (Ehrlich, ich glaube, ich probiere mal aus, ob man mit einem vollen Bierbecher wirklich gezielt werfen kann...). Der deutsche Nationaltrainer verlängert seinen Vertrag (und seine Mannschaft erfüllt ihre Pflichtaufgaben), während andere Vertreter seiner Zunft entweder schnell die Krawatte wechseln oder aufs „Im-Sommer-darfst-da-dann-gehen-Abstellgleis“ gestellt werden. Bei der Hertha in Berlin wollen tatsächlich 70.000 Leute ein langweiliges Spiel gegen Paderborn sehen und sogenannte Traditionsvereine wie 1860 oder Arminia gehen wieder nicht pleite, weil sie schon so viele Schulden haben, dass die Gläubiger sie gar nicht mehr sterben lassen können. Ach, und ein anderer Traditionsverein, der aus Gelsenkirchen, schaffte in der Champions League „Historisches“ oder zumindest ein geiles 5:2 gegen den Titelverteidiger aus Italien. Ja, auch der deutsche Fußball ist zurzeit schön spannend.

Und der Rest der Welt? Die Westerwelle hat endlich eingesehen, dass sie nicht so beliebt ist, wie selbst gedacht. Die Deutschen wollen plötzlich keinen Atomstrom mehr, aber auch keine Windräder vor der Haustür, Sandstürme bedrohen Mecklenburg und die NATO mischt sich mit ihren Kampfflugzeugen in einen Bürgerkrieg ein, der sie nichts angeht.

Schön, dass hier am Rhein der Sommer ausgebrochen ist und ich beim Auswärtsspiel in Saarbrücken ein HANSA-Meistersterntrikot tragen kann.

Ein blau-weißes „Sport frei“ vom Rhein an die Ostsee
OLAF PETERS, Ludwigshafen am Rhein

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