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Donnerstag, 17.11.2011
Kolumne

Brennende Fanblocks

Darf man so etwas noch sagen?

Ex-Hanseat Fin Bartels gastiert am Samstag mit dem FC St. Pauli zum bristen Nord-Derby beim FC Hansa Rostock. Foto: Joachim Kloock

Ex-Hanseat Fin Bartels gastiert am Samstag mit dem FC St. Pauli zum bristen Nord-Derby beim FC Hansa Rostock. Foto: Joachim Kloock

„Aber die deutsche Mannschaft zieht es immer wieder nach rechts...“, kommentierte Bela Rethy gestern Abend beim grandiosen 3:0 der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen die Niederlande, weil wiedermal niemand an den freistehenden Podolski auf der linken Seite gedacht hatte. Bei diesem Satz von Rethy war meine reflexartige Reaktion aber: Darf man so etwas in diesen Tagen überhaupt noch sagen? In diesen Tagen in denen Deutschland von einer Welle des, wie es der Bundesinnenminister ach so mutig nennt, „rechten Terrors“ erschüttert wird und „auch eine Arbeitsgruppe einsetzen wird“ (Wenn du nicht mehr weiter weißt, dann gründe einen Arbeitskreis). Muss ich als Kindergärtner in diesen Tagen nicht anders reagieren, wenn der zweijährige Martin dem dreijährigen Abduhl ne Schippe wegnimmt? Leben wir nicht in schrecklichen Zeiten?! Ironie bei Seite: „Kein Sex mit Nazis“ steht an meiner Wohnungstür und bei der Meinung bleibe ich. Aber diese Geschichte von einer Neonazi-Untergrund-Terrorgruppe von der keiner was gewusst haben will, stinkt doch gewaltig. Als ob die medienwirksame Verhaftung einer, noch nicht straffällig gewordenen, islamistischen „Sauerland-Gruppe“ nicht genügend Panik ausgelöst hat, schiebt man jetzt halt eine „Zwickauer Terrorzelle“ in die mediale Öffentlichkeit. Die Medienhysterie die von solchen Meldungen allerdings immer wieder entfacht wird, bringt mich drauf, warum ich das hier eigentlich schreibe.

Wir Fußballfans haben in den letzten Wochen, genau diese völlig übertriebene Hysterie mal wieder zu spüren bekommen. Und ich möchte an dieser Stelle gar nicht all den Unfug noch mal zitieren, der da so verzapft wurde, aber ein paar Zitate und Bemerkungen genehmige ich mir dann doch: „Entgegen aller Behauptungen gibt es keine Gewaltwelle im deutschen Fußball. Nun müsste die Polizei abrüsten und intelligenter mit den Fans umgehen“, heißt es in der aktuellen Ausgabe der 11 Freunde. Nach dem schwarz-gelben Pokalspiel sah man ja überall Fotos von brennenden Fanblocks. Auf GMX gefiel mir eines besonders gut. Gelb-schwarze Sturmhauben stehen mit brennenden Bengalos in Pose für den Fotografen („mittendrin statt...“) und als Quelle ist die seriöse dpa angegeben. „Im Jahresbericht der polizeilichen „Zentralen Informationssammelstelle Sport“ ist von einem „schwankenden aber tendenziell konstant hohen“ Gewaltniveau die Rede, bei dem aber nur 0,0003 Prozent der Zuschauer durch Fangewalt oder bei Einsätzen der Polizei verletzt werden“ (aus einem offenen Brief von Fanforschern an den „runden Tisch“). Beim Fußball-Fachblatt kicker.de kann man immer noch in den Fotostrecken der Rubrik Champions League ein Bild vom ordentlich brennenden Bayern-Fanblock in Neapel betrachten, mit der Unterschrift: „Die mitgereisten Bayern-Fans feierten ihre Mannschaft im ausverkauften San Paolo. Auf der anderen Seite brannten die Bengalos der Fans von Napoli.“ Und am Ende ein Zitat unseres Bundesinnenministers, sinngemäß wiedergegeben: „früher war es beim Fußball doch so friedlich“. Danke, setzen, sechs!

Wenn ich nun an das nächste Spiel unseres FC HANSA gegen Pauli denke, werde ich nach all dem Geschriebenen auch nicht ruhiger. Ich bin dafür, dass man den ganzen „Scheiß Sankt P...“-Mist sein lässt, sich komplett dem Support für unsere Mannschaft widmet, den Bullen (sorry, Sicherheitskräften) Butterblumen schenkt und Naki & Co ohne Punkt nach Hause schickt.

Ein blau-weißes „Sport frei“ vom Rhein an die Ostsee
OLAF PETERS, Ludwigshafen am Rhein

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